Prolog zu „Das Zeitparadox“ von Eoin Colfer
Fowl Manor, Dublin, Irland
Eine knappe Stunde nördlich der schönen Stadt Dublin liegt das Anwesen der Familie Fowl,
dessen Grenzen sich im Lauf der letzten fünfhundert Jahre kaum verändert haben. Das Herrenhaus
ist von der Hauptstraße aus nicht zu sehen, da das Grundstück von alten Eichen und
einer hohen Steinmauer umschlossen ist. Das Tor besteht aus massivem Stahl, und oben auf
den Pfosten sind Überwachungskameras angebracht. Wer die Erlaubnis erhält, das unauffällig
elektrifizierte Tor zu passieren, findet sich auf einer Einfahrt aus feinem Kies wieder, die in
sanften Schwüngen durch eine Grünanlage führt, deren einst perfekt gepflegter Rasen sich
mittlerweile in eine wilde Blumenwiese verwandelt hat.
Das Haus selbst ist dicht von Bäumen umgeben, mächtigen Eichen und Kastanien und dazwischen
zierlicheren Eschen und Weiden. Die einzigen Anzeichen menschlichen Wirkens sind
die von Unkraut frei gehaltene Einfahrt und die Lampen, die ohne Kabel und Befestigung in
der Luft zu schweben scheinen.
Fowl Manor hat im Lauf der Jahrhunderte etliche Abenteuer erlebt. In den letzten Jahren hatten
diese Abenteuer ein gewisses magisches Etwas, von dem jedoch die meisten Mitglieder
der Familie Fowl nichts wissen. Sie haben keine Ahnung, dass die Eingangshalle völlig zerstört
wurde, als die Unterirdischen einen Troll in die Schlacht schickten gegen den ältesten
Sohn der Familie, Artemis, ein Verbrechergenie. Damals war Artemis zwölf Jahre alt. Heutzutage
sind die Fowl’schen Aktivitäten im Herrenhaus jedoch vollkommen legal. Kein Sondereinsatzkommando
der Unterirdischen stürmt die Zinnen. Keine Elfe der Zentralen Untergrund-
Polizei wird im Keller gefangen gehalten. Und kein Zentaur justiert Abhörgeräte oder
führt Thermoscans durch. Artemis hat Frieden mit dem Erdvolk geschlossen, und mit einigen
Unterirdischen verbindet ihn sogar eine echte Freundschaft.
Seine kriminellen Aktivitäten haben Artemis zwar einiges eingebracht, aber sie haben ihn
noch mehr gekostet. Menschen, die ihm am Herzen liegen, sind durch seine hinterhältigen
Pläne verängstigt, verletzt und sogar entführt worden. Die vergangenen drei Jahre über hielten
seine Eltern ihn für tot, während er im Zeitmeer gegen Dämonen kämpfte. Und bei seiner
Rückkehr musste er entgeistert feststellen, dass die Welt sich auch ohne ihn weitergedreht
hatte und er der ältere Bruder von zweijährigen Zwillingen war, Beckett und Myles.